Fix berechnete Baupreise oder flexibel kalkulierte Bauaufträge?

Fix berechnete Baupreise oder flexibel kalkulierte Bauaufträge?
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Fix berechnete Baupreise oder flexibel kalkulierte Bauaufträge?

31.07.2006

Wie das ganze Leben, so wird auch der Baumarkt durch den Wettbewerb geprägt. Die Spielregeln dafür liefert die VOB und im Wettstreit verschiedener Bieter um die Bauaufträge wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Alle wollen schnell und sicher zum Ziel. Beim Weg gibt es da schon Glauben und Zweifel. Viele ausführende Unternehmer sagen mir: "Wenn ich meine Kosten kalkuliere, dann bekomme ich den Auftrag nicht. Deshalb biete ich mit marktüblichen festen Einheitspreisen an. Dafür habe ich meine 15 Baupreise im Kopf".

So wird das Angebot zur Wette. Und wie beim Glücksspiel, gibt es dabei Gewinner und Verlierer. Alles hat den Anschein, als ob: "Wettbewerb von Wetten kommt". Das Einzige was zählt, ist die Zahl, die unterm Strich des Angebotes steht. Welche Bauleistungen sich dahinter verbergen, werden von der Auftragssumme verhüllt. Das Angebot wird "Pi mal Daumen" über geschätzte Mengen und mit festen Baupreisen ermittelt. Mit dieser Blitzkalkulation hat man flott eine "Offerte" zur Hand, mit der das Geschäft mit dem Kunden besiegelt wird. Nach dem Blitz kommt oft der Donner. Aber keiner wünscht sich ein betriebliches Donnerwetter.

Dabei soll doch mit einem seriösen Angebot Vertrauen zwischen Bieter und Bauherren aufgebaut werden. Das können nicht kalkulierte, oftmals schlecht geschätzte Baupreise nicht leisten. Im Gegenteil, so wird bereits bestehendes Vertrauen wieder abgebaut. Es ist immer gut, wenn der Bauherr die fachliche Kompetenz des Bieters erkennt. Dafür reichen Baupreise allein nicht aus. Aufschlussreich wird ein Baupreis erst im Zusammenhang mit Leistungsinhalt und Kostenstruktur. Denn: "Leistungsbeschreibung und Baupreise sind zwei Seiten der gleichen Medaille". Schließlich will der Auftraggeber nicht nur wissen, was er bezahlen muss, sondern auch, welche Leistungen er für diesen Preis alles bekommt. Und der Auftragnehmer müsste wissen, welche verschiedenen Kosten auf ihm zukommen. Das Vergleichen von marktgängigen Baupreisen und kalkulierten Kosten löst unternehmerisches Denken aus. "Erst kalkulieren, dann spekulieren!" Man beginnt bei seinen Leistungsfavoriten und dehnt dies bei Bedarf auf das gesamte Angebot aus.

Da insbesondere kleinere Firmen mit festen Einheitspreisen kalkulieren, ist es erforderlich auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Es reicht nicht aus, Baupreise in einer VON-BIS-Spanne darzustellen. Solche Informationen waren in der Druckwelt schon dürftig und werden in der Internetwelt zuweilen noch unbefriedigend weitergeführt.

Meiner Meinung nach bietet das Medium Internet neue Lösungen für eine aktive Anwendung von Baupreisen. Die alten Zeiten des "nur Lesen" gehen zu Ende: "read only" weicht dem "Lesen und Schreiben". Einen Baupreis nur als Zahlengefühl zu finden ist zu wenig. Statt totem Wissen braucht man dabei lebendiges Handeln und dies im Kontext mit anderen Baufachinformationen. Orientierungspreise sollten mit variabel einstellbaren Kalkulations- und Preisniveaus schon profilbezogen und in Abhängigkeit von Leistungsparametern angeboten werden. Im Einklang mit eigener Erfahrung und in Kommunikation mit Know-How von anderen kann das Baupreiswissen verkettet mit Leistungsbeschreibungen, Bauprodukten etc. ein kluger Berater für die praktische Anwendung werden.

Baupreise sind in einer Sammlung so mit unterschiedlichen Wissen und Erfahrungen zu vernetzen, dass sich jeder sein eigenes und flexibles System zur Kalkulation gestalten kann. Bauen und Geld gehören zusammen. Die Informationen hierzu auch.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (2)

J. Heintzenberg: Ich Stimme Ihnen voll zu:
09.08.2006 11:58 Uhr

Was soll man von Handwerkerangeboten halten, bei denen verschiedene Bieter für die gleiche Leistung Preisunterschiede von mehr als 100% (bezogen auf den billigsten) aufweisen? Nicht nur die Einheitspreise differieren deutlich. Selbst die vermeintlich einfachste Übung, die Mengenermittlung zum Angebot, führt zu Abweichungen über 10%!

Fazit: Bauabsicht verschoben. Erst mal Urlaub machen - da weiss man, was man bekommt.

S. Klatka: Meine Herren
16.08.2006 14:04 Uhr

An Jörg Heintzenberg:
Immerhin sind Sie schon einen Schritt weitergekommen als ich: sie haben Angebote bekommen!

An Dr. Schiller:
Ich stimme Ihnen ebenfalls zu: Vertrauen zwischen Auftraggeber und Bieter ist wichtiger als der Preis. Bisher will sich dieses Vertrauen allerdings so überhaupt nicht einstellen...

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