Die Freuden und Leiden der Bauherren - Baukosten und Qualität am Bau

Die Freuden und Leiden der Bauherren - Baukosten und Qualität am Bau
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Die Freuden und Leiden der Bauherren - Baukosten und Qualität am Bau

08.10.2007

Die Baubranche lebt vom Tatendrang der Investoren und Bauherren. Die Psychologie der Bauherren ist der Schlüssel für Wachstum am Bau. Und deren Bauwille bewegt sich in den Gezeiten der Wirtschaft von Auf- und Abschwung. Die Baulust und die Notwendigkeit zum Bauen, sei es durch Investitionsstau oder sonstiger Zwänge prägen den Baumarkt. Derzeit erleben wir eine sich belebende Baukonjunktur mit mehr Wirtschafts- und weniger Wohnungsneubau. Das Bauen im Bestand und die Sanierungen steigen. Aber: Je mehr Bauen wollen, desto ungünstiger werden die Rahmenbedingungen für den einzelnen Bauherren. Gute Zeiten - Schlechte Zeiten.

Seit einem Jahr erleben wir einen deutlichen Anstieg der Baukosten. Das Baugewerbe klagt, dass die Baufirmen vom Baupreisanstieg nichts haben, da die Kosten alles kompensieren. Mit ca. 20 % stehen die Baustoffpreise an vorderster Front. Manche Materialpreise, z.B. Kupfer oder Stahl verändern sich im Fieber der Globalisierung. Es gab im Frühjahr 3,5 % mehr Lohn am Bau. Die Gerätekosten und die Gemeinkosten sind allein durch die Energiepreiserhöhungen gestiegen. Und dies geht weiter. Alle jammern. Aber zum Schluss zahlt der Bauherr die Zeche. Und wenn, wie im Wohnungsbau er keine Umsatzsteuer ziehen kann, beim Neubau kaum noch Abschreibungen hat und die Kaltmieten keinen Spielraum lassen, dann gefriert bei steigenden Baukosten der Bauwille. Das Ergebnis kommentiert der ZDB und warnt: "Einbruch im Wohnungsbau gefährdet Bauaufschwung". Aber die Betriebskosten steigen weiter und die Bauherren sind gezwungen kostenlos das Inkasso für die Energielieferanten zu übernehmen. Daraus entsteht ein wirtschaftlicher Zwang zur energetischen Gebäudesanierung. In Begleitung von finanziellen Stimulierungen wird sich hieraus noch eine gewaltige Baunachfrage entwickeln.

Das Geld ist die eine Seite der Medaille. Man kann auch Freude am Geld ausgeben haben, wenn die Qualität stimmt. Und die Leiden wachsen mit dem Pfusch am Bau. Die Weiche hierfür stellt der Bauherr am Anfang mit der Wahl seiner Partner. Will er direkt handeln oder indirekt mit Architekturbüro, Baubetreuer, Generalübernehmer, Generalunternehmer oder Bauträger. Überall gibt es mehr oder weniger schwarze Schafe. Sie sind die Patronen im "Russisch-Roulette" am Bau. "Drum Prüfe, wer sich ewig bindet" und ich kann nur zu einer Präqualifizierung raten. Bauen ist Vertrauenssache und Vertrauen ist ein hohes Gut.

Die Mängel am Bau haben nach einer Dekra-Studie zugenommen. Man spricht von Pfusch am Bau für 1,4 Mrd. Euro jährlich. Die Schadenshöhe soll seit 1995 um mehr als ein Viertel bei Wohngebäuden gestiegen sein. Tendenz steigend. Mietausfälle und Prozesskosten kommen noch hinzu.

Mit der Vorprüfung der ausführenden Unternehmen kann man vorbeugen. Denn fachkundige Firmen mit qualifizierten Mitarbeitern sind die Voraussetzung für die Qualität der Leistungen. Wählt man eine Firma, wo Qualität zur Firmenkultur gehört, hat man die Baulust schon mitgebucht. Ansonsten hilft eine "kompetente, integere und präsente örtliche Bauleitung", wie Axel Kohlgrüber in einem Kommentar treffend formulierte. Aber auch diese muss der Bauherr erst finden. Und die Qualität der Planung samt Ausschreibungsleistungen ist in der Praxis sehr verschieden. "Schwammige Ausschreibungen" führen zu verschwommenen Baukosten und unklarer Bauqualität. Die Leiden der Bauherren werden vorprogrammiert. Nachträge und Baumängel treffen ihn letztendlich wieder.

Aber Qualität hat auch seinen Preis. Und laut Bundesvereinigung der Bauwirtschaft achten die Kunden besonders der Ausbaugewerke wieder "verstärkt auf die Qualität der Leistung und akzeptieren ein dementsprechendes Preisniveau".

Die Welt ist vernetzt und die Bauwirtschaft braucht zufriedene, investitionslustige Bauherren und nicht nur eine Kuh zum Melken.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (1)

Thomas Voelckner: ...und da gibt es noch neben dem Preis und der Qualität -die Zeit.
21.06.2008 15:28 Uhr

Billig bauen bedeutet meist eine Einbuße an Qualität.
Qualitätsbewusst bauen ist ohne höhere Kosten aber selten möglich.(den Qualität hat ihren Preis)
Doch kommt noch die Eile hinzu sinkt wiederum die Qualität und steigt der Preis.
Darum bitte bei der Auftragsvergabe auch den Terminplan mit verhandeln.
Merke lieber Bauherr:
Ein enger Terminplan erhöht die Kosten und die Wahrscheinlichkeit von Baumängeln.
Außerdem steigt überproportional auch der Aufwand an der Bauleitung und das wiederum führt leider zu einem höheren Honoraraufwand beim Architekten. ( Was leider nicht immer auch bedeutet, das die Qualität wirklich besser wird.)

Thomas Voelckner
Bauherren-und Immobilienberatung

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