Bautarife und Arbeitskosten sowie deren Vergütung in Preisen

Bautarife und Arbeitskosten sowie deren Vergütung in Preisen
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Bautarife und Arbeitskosten sowie deren Vergütung in Preisen

03.06.2013

Ab 1.Mai 2013 gilt ein neuer Tarifabschluss. Im Osten steigen die Tariflöhne um 4 % und im Westen um 3,2 %. Und der Mindestlohn (Lohngruppe 1) beträgt ab 1.1.2017 bundesgleich 11,30 €/h. Momentan gelten für die LG 1 in Ost 10,25 €/h und 11,05 €/h in West. Diese Kluft wird verschwinden. Geordnete Wettbewerbsverhältnisse auf den deutschen Baustellen sind in Sicht. Eine gemeinsame Lohnuntergrenze fördert den fairen Wettbewerb am Bau. Unter dem Vorbehalt, dass der Mindestlohn für alle gilt und nicht nur auf dem Papier steht.

Die Löhne prägen die Arbeitskosten und über die Produktivität die Baupreise. Ein klarer kaufmännischer Zusammenhang. Allerdings sind die Bruttolöhne am Bau sehr verschieden. Die Tarif-Einigung der IG Bau mit den Arbeitgeberverbänden ZDB und HDB gilt für deren ca. 750.000 Beschäftigten. Eine Angleichung der Tariflöhne in Ost und West soll bis 2022 erfolgen. Derzeit beträgt der Ecklohn (LG 4) in Ost 15,17 €/h, in Berlin 16,44 €/h und in West 16,64 €/h. Dagegen gibt es auch viele außertarifliche Arbeitsverhältnisse. Und hier wird oft nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt.

Die Bruttolöhne sind der eine Teil der Arbeitskosten. Der andere sind die Lohnzusatzkosten. Nach den Musterrechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie betragen sie für 2013 in Ost 77,70 % und in West 87,41 % bezogen auf die Bruttolöhne. Diese sozialen und lohngebunden Kosten entstehen indirekt durch gesetzliche und tarifliche Regelungen. Sie werden auf die tatsächlichen Arbeitstage des Jahres verrechnet. Kalkulatorisch entsprechen die Arbeitskosten dem Kalkulationslohn nach EFB 221/222. Auftragsbezogen bestehen sie aus den mittleren Bruttolöhnen einer Kolonne sowie den Lohnzusatz- und Lohnnebenkosten für eine auswärtige Beschäftigung. Die Arbeitskosten sind regional verschieden. Und im Bau dominieren sie die Kosten, da Bauarbeiten arbeitsintensiv sind.

In Europa bewegen sich die Arbeitskosten im Baugewerbe lt. eurostat.de für das Jahr 2012 von 2,90 €/h in Bulgarien bis 37,40 €/h in Schweden. Mit durchschnittlich 24,70 €/h wird Deutschland ausgewiesen. Mittelwerte sind nur aussagefähig, wenn man deren Verteilung kennt. So sollte man die mittleren deutschen Arbeitskosten von 24,70 €/h auch differenziert betrachten. Abgesehen vom gesetzlichen Mindestlohn dient hierzu folgendes Beispiel:

Ost-Gesamttarifstundenlohn (LG 2):  11,34 €/h + 77,70 % = 20,15 €/h 
West-Gesamttarifstundenlohn (LG 3):  16,14 €/h + 87,41 % = 30,25 €/h 

Die Arbeitskosten respektive Kalkulationslöhne drücken aus, was eine tatsächliche Arbeitsstunde dem Unternehmen kostet. Dieses Geld muss mit Leistungen verdient werden. Durch Bauleistungen, die über Baupreise in einem Bauauftrag vergütet werden. Neben dem Kalkulationslohn spielen dabei die Produktivität und die Verrechnung des Deckungsbeitrages in Form von Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn eine Rolle.

Zur Veranschaulichung soll eine Bauleistung mit folgender Struktur dienen:

32 % Lohnkosten | 48 % Materialkosten | 20 % Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag kann über Zuschläge verschieden verrechnet werden. Bei einfachen Zuschlägen wären das 25% auf Lohn- und Materialkosten, (100*20/(100-20))=25. Bei voller Verrechnung auf die Lohnkosten wären es 62,5%, (100*20/32)=62,5. Die Verrechnungslöhne in €/h für obige Kalkulationslöhne Ost/West sind bei einfacher und voller Umlage wie folgt:

Ost:  Einfach  20,15  25%  25,19  Vollkostenstundensatz  20,15  62,5%  32,74 
West:  Einfach  30,25  25%  37,81  Vollkostenstundensatz  30,25  62,5%  49,16 

Die Verrechnungslöhne dienen der Ermittlung von Baupreisen. Durch Multiplikation mit den Zeitansätzen. Und die werden über die Produktivität bestimmt. Eine höhere Produktivität kompensiert höhere Arbeitskosten. Ansonsten schmilzt der Deckungsbeitrag oder die Baupreise steigen. Aus der obigen Differenz der Bruttolöhne (West/Ost) von 4,80 €/h folgt eine Spanne von 10,10 €/h in den Arbeitskosten. Kalkulatorisch leitet sich ein Gefälle im Stundenverrechnungssatz von 16,42 €/h ab. Das Beispiel ist symbolisch und zeigt, dass Arbeitskosten und Baupreise tendenziell steigen. Letztlich entscheidet und zahlt der Kunde.

In alter Frische

Ihr Klaus Schiller


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