Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse "...damit die Vergangenheit jung bleibt"

Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse "...damit die Vergangenheit jung bleibt"
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse "...damit die Vergangenheit jung bleibt"

01.07.2010

Der Computerpionier und Bauingenieur Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Und am 12. Mai 1941 hat er den ersten programmgesteuerten Rechner der Welt in Berlin vorgeführt. Der erste Computer war ein Berliner. Eine geniale Erfindung. Heute ist der Computer weltweit allgegenwärtig. Damals wurde sein Potenzial kaum erkannt.

Am 22. Juni 2010 war ich mit meiner Frau beim Festakt zum 100. Geburtstag von Professor Konrad Zuse in Hünfeld. Vorab stellten wir 2 Rosen auf sein Grab. Beim stillen Gedenken sinnierte ich zum Spruch: "Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne." Bei unseren Rad- und Weintouren in Radebeul lese ich diesen immer wieder. Und so denke ich an meine großen Vorbilder in der Geschichte von Mathematik und Informatik. An Adam Ries (1492/93-1559) - Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) - Carl Friedrich Gauß (1777-1855). Sie haben bisher zur Mathematisierung der Prozesse beigetragen. Und mit Konrad Zuse (1910-1995) hat die "Informatisierung der Prozesse im 21.Jahrhundert gerade soeben erst begonnen". Ein mich faszinierendes Fazit vom Festredner Prof. Wahlster.

Zuses Motivation: "Ich war zu faul zum Rechnen". Kraft einer Idee und mit dem vollen Risiko der Umsetzung hat er das Rechnen automatisiert. Erreicht mit dem oft zitierten 1% Inspiration und 99% Transpiration. Er wollte sich aus der Knechtschaft stupider statischer Berechnungen befreien. Geöffnet hat er ein Tor zur allumfassenden Informatisierung. Am Bau erleben wir das von der Zeichnung bis zum Netzwerk des elektronischen Geschäftsverkehrs. 80% der gegenwärtigen Innovationen haben einen Bezug zur Informatik. Entstanden ist eine Schlüsseltechnologie. Davon profitieren wir heute alle. Und für die weitere Entwicklung scheint es keine Grenzen zu geben.

Persönlich habe ich Konrad Zuse nicht kennen gelernt. Geistig spornt er mich aber an. Mit der Wiedervereinigung hatte ich 1990 die Idee der Dynamischen BauDaten (DBD). Unsere Motivation war die Baukalkulation. Weg vom lästigen Erbsenzählen. Hin zum lebendigen kaufmännischen Denken im technischen Zusammenspiel. Rechnen ist auch eine Art des Denkens. Zur Automatisierung des Kalkulierens ist es zu vernetzen. Mit der Sprache des Architekten in Form von Zeichnungen und seinem Alphabet der Striche. Basierend auf qualitativen Beschreibungen. Verknüpft mit betrieblichen Kosten und auftragsbezogener Mengen-Wert-Gerüste. Realisiert durch die Informatisierung von Standards.

Grundlage des Kalkulierens ist die Leistungsbeschreibung. Und die ergibt sich aus der zeichnerischen Klärung. Für die modellbasierten Leistungstexte "STLB-Bau Dynamische BauDaten", die als Standard vom GAEB aufgestellt und vom DIN herausgegeben werden, hatte ich 2002 vom ZDB die Konrad-Zuse-Medaille erhalten. Dadurch habe ich mich geistig mit Zuse beschäftigt. Und er hat mich inspiriert. Besonders sein "Plankalkül" und der "Rechnende Raum".

Zuse hat die Auflösung der Welt in die Ja-Nein-Werte kalkülisiert. Angewandte Logik. Aber Zuse war auch Künstler. Er hat gezeichnet. Seine Bilder hängen in unserem "Konrad-Zuse Haus" in Dresden, Liebigstraße 3. Verknüpfe ich diese beiden Facetten von Zuse, dann komme ich zwangsläufig zur Frage: "Warum kalkülisiert man nicht Zeichnungen?" Und mit deren praktischen Lösung haben wir damals 2002 begonnen.

Aus bildhaften Strichen informatisiert als Bild- oder pdf-Dateien leiten wir mathematische Figuren ab. Daraus lassen sich nach Gauss koordinatenorientiert Mengen ermitteln. Nach der Kalkülmethode von Leibniz werden objektkonkrete Aussagen festgelegt und über Ableitungsregeln entstehen in einem "Rechnenden Raum" neue Aussagen. Aktiviert mit modellbasierten Daten entstehen "Tabellen für die Berechnung alltäglicher Preise" a’la Adam Ries. Kalkülisierte Zeichnungen ermitteln Kosten und Leistungen. Unsere Antwort: "DBD-Kostenkalkül"!

Bei aller Euphorie sollte man immer auch eine kritische Distanz bewahren. "Der Computer muss den Menschen dienen." Und Zuse ergänzte, dass man den Netzstecker ziehen soll, wenn der Computer den Menschen beherrscht. Oder beim iPhone die Batterie.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


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