Der Raum ist Alles – vom Planen bis zum Betreiben

Der Raum ist Alles – vom Planen bis zum Betreiben
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Der Raum ist Alles – vom Planen bis zum Betreiben

02.09.2013

Im Mittelpunkt der Architektur stehen Raum und Form. Der gebaute Raum ist ein Raumgefüge. Räume sollen in Schönheit miteinander funktionieren. Optimiert nach den funktionellen Anforderungen und den Regeln der Technik. Die räumlichen Zusammenhänge werden maßstäblich in virtuellen Gebäudemodellen deutlich. Sie sind der Ausdruck und das Spiegelbild des Raumkonzeptes. Verborgen hinter den sichtbaren Bauteilen und ihren Beziehungen, welche die Räume entstehen lassen.

Was ist zuerst da: Die Räume oder die Bauteile? Geistig - körperlich dual. Am Anfang der Planung steht das Konzept für die zu schaffenden Räume. Beim Bauen beginnt man mit den Bauteilen und man erlebt auf der Baustelle, wie die Räume erscheinen. Und beim Betreiben erfolgt die Nutzung der Räume mit ihren Bauteilen bzw. Ausstattungen. Vermietet werden die Räume im Spiegel ihrer Bauteile.

Das Ziel sind die Räume und das Mittel hierzu sind die raumbildenden Bauteile. Die Dualität von Raum und Hülle ist der Lotse für das modellbasierte Arbeiten. Das Planen startet mit dem Raumkonzept. Dies gilt auch für das Building Information Modeling. Dahinter liegt auch eine CAD-Illusion: „BIM ist 3D-CAD und am Anfang von BIM steht CAD“. Zwei kausale Denkfehler - ein BIM reziproker „CAD-BIAS“! Faktisch ist BIM unabhängig von CAD. Und die modellbasierte Arbeit beginnt mit den Raumstrukturen. Diese Diagnose kann vielleicht manche BIM-Allergie heilen. In den räumlichen Beziehungen liegt der Schlüssel einer modellbasierten Therapie für ein „BIM einfach machen“.

Die Anregung gab mir ein Pausengespräch beim buildingSMART Forum am 6.11.2012 in Berlin. Ein „BIM-Informatiker“ stellte die Objekte mit ihren Beziehungen über alles. Dagegen sei „der Raum (space) nichts, nur leere Luft“. Ein ursächlicher Denkfehler. Ohne Raum ist alles nichts. Dieser „BIM-BIAS“ wird durch das Überladen der Objekte mit illustren Daten noch verstärkt. Zum Beispiel durch graphisches Visualisieren von Blättern an einem Baum vor der Fassade. Ein krankmachendes BIM-Gift. Die räumlichen Strukturen verlieren sich und im schlimmsten Fall werden sie erst gar nicht definiert.

Der „BIM-BIAS“ lässt sich im offenen Standard einer IFC-Datei quantifizieren. In IFC gibt es ein räumliches und ein funktionales Ordnungssystem. Die Bauteile mit ihren Eigenschaften kann man den Räumen und Funktionen zuordnen. IFC-Dateien sind mit hunderten Megabytes sehr datenvoluminös. Analytisch reizvoll sind dabei die prozentualen Verteilungen der Raum- und Bauteilstrukturen sowie deren Mengen und Eigenschaften. Unsere Analyse offenbarte, dass bei zig ausgetauschten IFC-Dateien gar keine räumlichen Strukturen definiert waren. Null Bytes für Räume! Da staunt der Laie und der Profi wundert sich. Und wenn sie definiert waren, so lag der dafür nötige Bytebedarf im Promillebereich. „Allein die Dosis“ nach Paracelsus macht die Räume zur BIM-Medizin.

Bei den Rauminhalten von realen Bauwerken ist die Gewichtung ganz anders. Der Raum ist alles. Schon weil wir darin leben. Die im Raum befindliche Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Sie bestimmt messbar unsere Behaglichkeit. Abhängig von der Qualität der Hülle, den raumbegrenzenden Bauteilen und ihren Beziehungen.

In alter Frische

Ihr Klaus Schiller

Weiterführende Fachinformationen:
Bauteile, BIM, CAD, IFC, Raum, Raumkonzept

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