Das Baukostendilemma zwischen billig Planen und teuer Bauen

Das Baukostendilemma zwischen billig Planen und teuer Bauen
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Das Baukostendilemma zwischen billig Planen und teuer Bauen

01.02.2013

Planen und Bauen bewirken die Baukosten. Im Doppelpack entscheidet und zahlt der Bauherr. Und hier beginnt das Baukostendilemma mit dem lieben Geld. Ein Paarlauf mit aufregenden Beziehungen. Kann man beim Planen sparen und damit mehr bauen? Dies ist wie mit dem "Januskopf". Ein Doppelgesicht, das vorwärts und rückwärts blickt. Janus der "römische Gott des Anfangs und des Endes" ist auch beim aktuellen Baugeschehen allgegenwärtig. Am Anfang stehen die Wünsche und am Ende die Abrechnung. Vom privaten Eigenheimbau bis zum öffentlichen Bau wie z.B. dem Berliner Flughafen.

Die Janusmünze "Billig Planen" hat zwei diabolische Seiten mit Pfiff. Zum einen das Minimieren von Planungskosten. Zum anderen das Billig Rechnen der Baukosten. In dieser brisanten Dualität liegt ein ärgerlicher Zündstoff.

Bei einem vorbestimmten Budget ist die Versuchung sehr groß, die Planungskosten zu minimieren. In der Hoffnung mehr Bauleistungen einkaufen zu können. Dem widerspricht der bewährte Grundsatz: "Planungstage sind billiger als Bautage". Bauwerke verursachen nun einmal hohe Kosten und sollten deshalb gründlich geplant werden. Planung ist ein geistiger Prozess und braucht seine Zeit. "Gut Ding will Weile haben". Gar keine oder falsche Planung kann sich gepfeffert rächen. Aufwendiger Rückbau und kostspielige Sanierungen sind die Folge. Qualität hat seinen Preis. Deshalb kennt die HOAI keinen Preiswettbewerb. Denn: "Wer billig plant, baut in der Regel teuer". Das Ziel ist der Qualitätswettbewerb in der Planung nach der ganzheitlichen Maxime: "Intelligent Planen - Günstig Bauen".

Bei einem zu findenden Budget werden die Baukosten oft kleiner gerechnet als sie sind. Die Wünsche sind größer, als es der momentane Geldbeutel zulässt. Mit dem Prinzip Hoffnung täuscht man sich selbst oder andere. Die Bauten werden zu billig geplant. Während der private Bauherr dafür selbst haftet, bezahlen beim öffentlichen Bauherrn die Steuerzahler. Und "Politiker verwenden oft politische Zahlen", um die Zustimmung für Bauvorhaben zu erhalten. Wahlperioden erzeugen eigene Logiken. Rosa gerechnete Baukosten unterschätzen das reale Baugeschehen, weil man um Bewilligungen ringt. Planungsdruck und Baurisiken stören dabei. Nach den billigsten Angeboten kommt mit den Nachträgen dann die Ernüchterung.

Werden Bauprojekte gemeinhin teurer als geplant und niemals billiger? Laut einer weltweiten Studie der Oxford-Universität "klettern bei 9 von 10 Großprojekten die Kosten stärker als vorhergesehen". Dazu sagt der Bergmann: "Vor der Spitzhacke ist es dunkel". Glück auf!

Sicherlich ist mehr Zeit und Geld für die Planung der Bauvorhaben zu investieren. Ebenso sind modellbasierte Kostenberechnungen plus Risiken offen und ehrlich zu diskutieren. Verlässliche Mengen mit auskömmlichen Baupreisen und finanzielle Rückstellungen sind dabei nötig. Dann kann die Abrechnung billiger werden als die Kostenplanung. Auch das gibt es, wie es der Bau vom Olympiapark in London zeigte.

Als Dresdner muss ich nicht zum Berliner Flughafen, der Hamburger Philharmonie oder dem Stuttgarter Bahnhof schauen. Hierzu reicht die Waldschlösschen Brücke. UNESCO-Erbe weg und Kosten hoch. 1851 war es bei der Marienbrücke anders. Der "Kostenanschlag lautete 2.731.923 Mark und beansprucht wurden 2.451.000 Mark".

Baukosten sind ein gesellschaftliches Phänomen. Und deshalb kommt es neben den Werkzeugen vor allem auf die Menschen an. Gestern wie heute und morgen.

In alter Frische

Ihr Klaus Schiller


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