Der „Rechnende Raum“ Zuses inspiriert zu BIM-Analogien

Der „Rechnende Raum“ Zuses inspiriert zu BIM-Analogien
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Der „Rechnende Raum“ Zuses inspiriert zu BIM-Analogien

02.11.2015

Die Gegenwart ist eine Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Deshalb öffnet das geistige Moment des Rückbesinnens und Innehaltens auch mentale Perspektiven. Dies habe ich am 23.Oktober 2015 bei der Verleihung der „Konrad-Zuse-Plakette“ persönlich erlebt. Damit ehrt die Konrad Zuse Stadt Hoyerswerda „Verdienste bei der Pflege und Verbreitung des Erbes ihres Ehrenbürgers“. Es ist der „Spirit von Zuse“, der die Aussicht auf Inspirationen nährt. Dabei befeuern mich die Analogien von Zuses „Plankalkül“ und „Rechnender Raum“ im aktuellen Denken zur modellbasierten Kostenkalkulation im Verbund mit BIM. Man fühlt die Kraft der Gedankensprünge, die zwischen dem scheinbar völlig Unterschiedlichem das Gemeinsame in einem anderen Zusammenhang findet.

Der „Plankalkül“ war als erste Programmiersprache der Welt ein Rechenplan im Sinne einer Handlungsvorschrift zum maschinellen Rechnen. Im „Rechnenden Raum“ sah Konrad Zuse den „Kosmos als gigantische Rechenmaschine“. Für mich ist der „Rechnende Raum“ kein kosmisches Phänomen, sondern ich interpretiere ihn als ein irdisches modellbasiertes Rechnen im bebauten Raum des Building Information Modeling (BIM). Dabei ist das internationale IFC-Modell ISO 16739 ein „IFC-Rechenplan“ für das multidisziplinäre Rechnen im räumlichen Bauteilgefüge und das BIM-Modell wirkt als kalkulatorische Rechenmaschine. In Zuses „Relaisketten durch Impulse“ sehe ich die Kosten-Ketten-Reaktionen von den Raumstrukturen über die raumbegrenzenden Bauteile zu den für die Ausführung nötigen Leistungen und den dadurch verursachten einzelnen Kosten als Mengen-Wert-Gerüste für Löhne, Stoffe, Geräte und Sonstiges.

Dieser raumrechnende Geist ist ein alphanumerisches Kalkulieren im graphischen Raum. Dahinter liegen Beschreibungen in Form von bemusterten Modellen und Graphiken sowie ihre Verwandlungen gemäß VOB/A §7 in Leistungsbeschreibungen als Leistungsprogramm und Leistungsverzeichnis. Es beflügelt die Phantasie und den Ingenieurgeist verborgene Zusammenhänge in den Rechenplänen zu finden und zu nutzen. Das Rechnen ist eine „Tätigkeit zur logischen Verknüpfung von Objekten“. Dabei geht es nicht nur um Zahlen. Mit Dynamischen BauDaten kann man auch bausemantisch Rechnen. Und die Ergebnisse sind Textrezepturen von Leistungsbeschreibungen mit verknüpften Kostenkalkulationen.

Das galt einst schon beim manuellen Rechnen zu Zeiten von Adam Ries. Damals ging der Kaufmann zum Rechenmeister, um seine Rechnung zu erstellen. „Jedes Ländchen hat sein Quäntchen“ und so musste man die verschiedenen Mengenmaße und Währungen über den damals geheimen Dreisatz umrechnen. Heute werden diverse Informationen und Algorithmen als Geheimwissen gesehen und man geht mit dem IFC-Modell zum „BIM-Manager“. Analog würde ich derzeit sagen: „Jedes IFC-chen hat sein Wehweh-chen“.

Das Geheimnisvolle unserer Welt liegt in den Rezepturen. So auch bei den Inhalten von Daten und Algorithmen für das technisch-kaufmännische Rechnen im Datengeflecht des baufachlichen Raumes. Leistungsbeschreibungen nach den Regeln der Technik und die Kostenkalkulationen sind geistig zu verknüpfen. Ihre Ableitung aus dem IFC-Modell wird mit DBD-KostenKalkül der 4.Generation noch effektiver. Und zur „Rhododendronblüte“ in 2016 soll auch mit DBD-BIM die BIM-Kalkulation für das ganze Modell zum Blühen kommen.

In alter Frische

Ihr Klaus Schiller

Zum Download: Dr. Klaus Schillers Dankesrede zur Verleihung der Konrad-Zuse-Plakette (pdf)


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