Die europäischen Normen (EN) sind da - das Textgefühl ist weg

Die europäischen Normen (EN) sind da - das Textgefühl ist weg
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Die europäischen Normen (EN) sind da - das Textgefühl ist weg

08.05.2007

In der Rangfolge von Politik, Wirtschaft und Technik wird die europäische Einigung nach dem Kaskadenprinzip vollzogen. Die EU erleben wir nicht nur beim Reisen. Die Angleichung der rechtlichen Regelungen ist ebenso ein politischer Akt und die Veränderungen in der VOB/A+B sind ein Teil davon. Die wirtschaftliche Verschmelzung ist offensichtlich und der Euro ist allgegenwärtig. Letztendlich ist die Harmonisierung der Regeln der Technik eine logische Konsequenz. Und die hat es in sich.

Dagegen war die Einführung des Internationalen Einheitensystems (SI) für gleiche Maßeinheiten in den Naturwissenschaften ein Spiel. Dies war vor mehr als 30 Jahren.

Erinnert sei allein an die Veränderung von kp/cm² in N/mm². Das war nicht nur ein Problem der Umrechnung. Die gewohnte Begrifflichkeit und das Zahlengefühl waren weg. Auch die Gefahr der Verwechselung gab es. Infolge dessen variierten auch Leistungstexte. Die Betongüte B 225 wurde in Bn 25 (BRD) oder Bk 20 (DDR) und später in B 25 geändert. Heute ist sie europäisch harmonisiert und heißt C 20/25. Ich persönlich habe seit meinem Studium bereits 4 verschiedene Begrifflichkeiten und Normen zur Betongüte kennen gelernt. In der neuen Normengeneration der DIN EN 206 sind gegenüber der alten DIN 1045 noch Expositionsklassen entstanden.

Häufig sind die neuen Bezeichnungen nicht direkt aus den alten Bezeichnungen ableitbar. Und seit ca. 10 Jahren wurden im Bauwesen jährlich mehr als 50 DIN-Normen in DIN EN gewandelt. In dieser Zeit wurde das STLB-Bau Dynamische BauDaten 20-mal gepflegt und diese Normenänderungen sind detailliert dokumentiert. Wir erleben einen enormen Umbruch in der baufachlichen Terminologie. Auszugsweise nur einige Beispiele:

Gerüstarbeiten  alt:  Gerüstgruppe (1 bis 3)  neu:  Lastklasse (1 bis 6) 
Dämmstoffe  alt:  PUR-WD-025-B2-100  neu:  PUR-025-DAA-dm 
Gusseisen  alt:  GG-25  neu:  EN-GJL-250 
Gipskartonplatte  alt:  GKB  neu:  Typ A 

Die Sprache der am Bau Beteiligten wird europäischer. Auf dem Bau herrscht die Sprache der Gewohnheit. Und viele Planer denken in vertrauten Strukturen. Ein Wörterbuch für die Regeln der Technik könnte helfen. Dabei sollte man wissen, dass Normen im Konsens entstehen. Je größer der Kreis, desto kleiner der gemeinsame Nenner.

DIN-Normen beinhalten meist die Baustoffeigenschaften im Zusammenhang mit deren Anwendung. EN-Normen beschreiben meist nur die Baustoffeigenschaften, aber für alle EU-Länder gleich. Sie gelten von Skandinavien bis Sizilien, wo es schon Unterschiede bei der Anwendung gibt. Baustoffe finden wiederum in der baulichen Anlage ihre Bestimmung. Und die ist standortabhängig. Daher sind DIN-Normen oft strenger als EN-Normen. Vorteile erkauft man sich durch Nachteile.

EN-Normen sind allgemeingültige technische Spezifikationen. Sie haben Einfluss auf die Leistungsbeschreibung und werden in der VOB/C zitiert. Mit dem STLB-Bau Dynamische BauDaten bekommt der Anwender die hierfür erforderlichen Baufachinformationen aktuell serviert. Die persönlichen Erfahrungen in der Praxis werden sicherlich vielgestaltig und generationsabhängig sein.

Für die geistige Umstellung auf die europäischen Baubegriffe wünsche ich Ihnen die nötige Gelassenheit und viel Erfolg.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (1)

Axel Kohlgrüber: Für alle die mit Bautexten Geld verdienen
14.05.2007 18:10 Uhr

Für alle die mit Bautexten Geld verdienen ist die Umstellung auf EN besonders Arbeitsaufwändig. Ein Wörterbuch für die Regeln der Technik, wie dick soll das denn sein?

Ich wäre schon froh, wenn die ausschreibende Zunft es mal fertig bringen würde einheitliche Texte, z.B. aus dem StLb und vor allem einheitliche Einheiten zu verwenden. Der AG lässt seine Ausschreibungen vom Büro x + y + z erstellen. Da wird ein und die selbe Leistung mit drei verschiedenen meist unvollständigen Texten beschrieben aber das schlimmste ist, es werden auch verschiedene Einheiten verwendet. So z.B. Asphaltaufbruch in m², to, und m³. Nervend + zeitraubend, wenn mann zu hastig arbeitet und einzelne Zeilen aus anderen Projekten kopiert baut man sich schwere Fehler ein. Ein Appell an alle Ausschreibenden: Benutzt wo es nur geht standardisierte Beschreibungen, es nutzt allen.

Frohes Schaffen an alle Bauleute.

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