Spekulative Ausschreibungen und trügerische Angebote frivol kalkuliert

Spekulative Ausschreibungen und trügerische Angebote frivol kalkuliert
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Spekulative Ausschreibungen und trügerische Angebote frivol kalkuliert

01.12.2009

Das "Frivole" am Bau ist nicht sinnlich, sondern mehrdeutig - dreist! Eingeführt vom Baurecht. Der Bundesgerichtshof (BGH) spricht von "frivoler Kalkulation". Anstößig können zuweilen Auftraggeber wie auch Auftragnehmer sein. Das Schamlose besteht darin, das der eine den anderen bewusst in die Irre führt. Fehler werden vorsätzlich aktiviert oder unverfroren ausgenutzt. Eingebettet in Widersprüchlichkeit, Lückenhaftigkeit, Unklarheit, verfänglichen Leistungsbeschreibungen und bunten Mischtatbeständen. In Missverständnissen werden die Risiken unangemessen verteilt. Ein Nährboden für Misstrauen. Zerstörerisch der Vertrauensschaden. Die Kehrseite ist Bauen und Vertrauen. In der Regel. Und das Frivole die Ausnahme?

Die Frivolität am Bau hat ihre diversen Facetten. Sie beginnt schon mit der frivolen Ausschreibung. Inszeniert durch manchen Auftraggeber oder Planer. Absichtlich werden Mengen frisiert. Zwischen den ausgeschriebenen SOLL-Mengen und den abgerechneten IST-Mengen gibt es oft riskante Differenzen. Besonders im Tiefbau. Der Bieter sollte vor dem Angebot die voraussichtlichen SOLL-Mengen nachprüfen. Gefahren lauern ebenso hinter den variationsreichen Schlichen in der Beschreibung der Leistung. Im Wechselspiel zwischen Vorbemerkungen und Leistungsverzeichnis. Oder in den dubiosen Mischungen der Positionsarten mit Normal-, Bedarfs- und Wahlpositionen. Von schwammigen Texten ganz abgesehen. Provoziert und bezweckt werden kalkulatorische Versehen beim Bieter.

Neben dem frivolen Aufschlag gibt es auch den frivolen Konterschlag. Fahrlässig fehlerhafte Ausschreibungen werden ausgenutzt. Der Bieter kalkuliert dann frivol, wenn er in Kenntnis eines Widerspruches oder lückenhaften LVs einen niederen Preis "ins Blaue hinein" anbietet. Der Zuschlag wird geholt. Das Ziel sind nachträgliche Vergütungsanpassungen in der Bauausführung. Man spekuliert auf Nachträge. Mit dem Restrisiko, dass offenkundig der Fehler im LV erkennbar war. Es gibt eine Prüfungspflicht des Bieters. Waren die Fehler offensichtlich, erfolgt keine Vergütung über Nachträge. Wohl dem, der es nachweisen kann.

Dramatisch ist die Kombination von frivol-fehlerhafter Ausschreibung und frivoler Kalkulation. Und dies bei Absprache des Ausschreibenden mit einem Bieter. Zuerst werden die übrigen Bieter dessinformiert und anschließend der Bauherr abgezockt. Dies wäre ein übler und schändlicher "Mandantenverrat".

Trügerische Angebote erfolgen auch ohne Ausschreibung. Es gibt hin und wieder frivol kalkulierende Handwerker. Neben den bereits genannten Tricks werden dabei auch Einheitspreise mit Stundenlohnarbeiten gemischt. Laut VOB beinhaltet eine Leistung die Lieferung und den Einbau des Materials. Kritisch zu hinterfragen sind solche Angebote, wo die LV-Positionen nach Material und Lohnkosten getrennt sind. Einerseits das Liefern jedes Materialartikels mit Einheitspreis. Andererseits die Lohnkosten in Form von Stunden und Verrechnungslohn. Hier ist Vorsicht angesagt. So verbindlich ist das Angebot nicht mehr. Und aus offerierten 16 h mit 31,50 €/h werden lt. Montageschein schnell 35 h. So können auch Bauherren mit einem Angebot irregeführt werden. Scheinbar seriös, weil mit der Vielzahl der einzelnen Materialpositionen eine Vollständigkeit vorgegaukelt wird. Besser Pauschalisieren!

Das "Frivole" am Bau ist geprägt durch das Verhalten: "Frechheit siegt". Aber nicht immer. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser. Und dazu bedarf es Wissen und Erfahrung. Gepaart mit geistigen Instrumentarien für Ausschreibung und Kalkulation.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (2)

K. Nemec Stuttgart: So ist es
08.12.2009 08:13 Uhr

Sehr geehrter Herr Schiller,

Ihnen kann ich nur beipflichten, so ist es, leider.

Mit freundlichem Gruß
Leser K. Nemec

Hans Kranz: Schlafende Hunde
16.12.2009 12:00 Uhr

Lieber Klaus Schiller,

dieser mutige Beitrag soll mithelfen, schlafende Hunde zu wecken. Wo allerdings diese Tiergenossen "pennen" sagt man ja nicht gerne offen.

Der zitierte üble und schändlicher "Mandantenverrat" findet meist dort statt, wo sowohl bei Planern als auch bei Bauherrn die Fachkenntnis fehlt.
Also da, wo Planer mehr oder weniger insgeheim "planen" lassen.
In einigen Gewerken ist das ja als "branchenübliche (gewerbliche)Verkehrssitte" zu betrachten - und daher - wenn man so will - von der VOB gedeckt(!) (VOB/A §8, Nr 13; VOB/B §2 Abs9 (1); §3, Abs 5;
Es würde hier nur "Nachhilfeunterricht" nützen - aber wer geht schon gerne dort hin - zumal man ja schon im Studium diese "schwierigen" Fachgebiete gemieden und sich davor gedrückt hatte...
Also geschieht es (der "Verrat") einigen ganz recht - könnte man sagen.
Ihr HAK

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