Baupreise im Beziehungsgefüge von realen Kosten und spekulativem Markt

Baupreise im Beziehungsgefüge von realen Kosten und spekulativem Markt
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Baupreise im Beziehungsgefüge von realen Kosten und spekulativem Markt

01.03.2013

Die Baupreise sind ein Abbild menschlicher Beziehungen. Widergespiegelt im Geld der umgesetzten Werte am Bau. Verflochten mit allerlei Kosten inmitten kunterbunter Marktteilnehmer. Kalkulatorische Phänomene und das Verhalten der am Bau Beteiligten prägen die Baupreise. Praktisch Kalkulieren und eigennützig Handeln ist die Devise. Auftraggeber und Auftragnehmer wollen als "homo oeconomicus" mit den Angeboten gewinnen und nicht verlieren. Aber der Erfolg des Einzelnen ist an die Aktionen der Anderen gebunden. Spieltheoretisch logisch in einer Ordnung von zusammenwirkenden Elementen. Ein scheinbar chaotisches System hinter denen sich die Strukturen von Baupreisen verbergen.

Die Baupreise mit ihren Anteilen für Löhne, Stoffe, Geräte und Sonstiges sind dynamisch. Sie sind bestimmt von den Eigenschaften der Bauleistungen für die lokal konkreten Baumaßnahmen. Und letztendlich verändern sich die Rezepturen der Baupreise in der Zeit.

Zeit ist Veränderung. Allein die Baupreise stiegen spartenabhängig im letzten Jahr um 2 bis 3 %. Im Straßenbau sogar etwas mehr. Dies belegen statistische Vergleiche von 2012 zu 2011 von destatis.de oder statista.com. Der Hauptverdächtige für den Baupreisanstieg ist der Bauboom. Verursacht durch die Finanzkrise mit der Flucht in "Betongold" und dem niedrigen Leitzins der EZB. Ein Indiz ist der Immobilienindex IMX von ImmobilienScout24. Beim Neubau stieg er in den letzten 6 Jahren um 11,8 %. Und die Preisentwicklung für Wohnraum in den Großstädten kann beunruhigen.

Der duale Charakter der Baupreise liegt im erst Kalkulieren und dann Spekulieren. Eine Baupreismünze mit Wappen und Zahl. Das spekulative Verhalten im Baumarkt ist das Wappen. Aber kalkuliert wird die Zahl. Zu zahlen sind die Kosten. Sie sind die Basis der Baupreise. Und der Gewinn respektive der Verlust verbindet beide.

Die Baupreise schwingen um die Kosten. Gedämpft oder ungedämpft nach den Launen der Märkte, sprich der Menschen. Und die Kosten zeigen den Baupreisen den Weg. Dafür sollte man den Kostenmix mit seinen Mengen- und Wertgerüsten kennen. Beim Betrachten der wirklichen Kostenentwicklungen wird deutlich, dass der Bauboom nicht der Alleinschuldige am Preisanstieg ist.

Schon die Energiepreise sind ein schleichender Baupreistreiber. Direkt auf der Baustelle und indirekt über die Baustoffe. Bauen ist Transportieren. Laut adac.de (Stichtag 1.1.) ist der Dieselpreis in den letzten 10 Jahren um 60 % von 90 ct/l auf 144 ct/l gestiegen. Dagegen ist die Lohnentwicklung moderat. Ein Vergleich der tariflichen Ecklöhne (LG4) und der Lohnzusatzkosten in West und Ost ergibt für die letzten 5 Jahre folgendes Bild:

West  2008: 15,24 €/h+86,93%= 28,49 €/h
2013: 16,12 €/h+87,41%= 30,21 €/h 
6 % Zuwachs 
Ost  2008: 13,58 €/h+79,10%= 24,32 €/h
2013: 14,59 €/h+77,70%= 25,93 €/h 
6,6 % Zuwachs 

Danach beträgt der Anstieg der Arbeitskosten reichlich 1% pro Jahr.

Aber auch die Baustoffkosten haben sich verändert. Materialabhängig abgestuft gab es vielfältige Preiserhöhungen. Zudem Fieberkurven wie z.B. bei den Stahlpreisen.

Das Fazit ist klar: Baupreise sind differenziert zu beurteilen. In der Einheit von Kosten und Markt. Eine Art Strukturanalyse macht Sinn. Regional verschieden sind die Baupreise projektabhängig aufzuteilen. In ihren Komponenten von Löhnen, Stoffen, Geräte und Sonstiges. Im Bezug zur Leistungsvielfalt eine Herausforderung. Eine wohl strukturierte Orientierungshilfe hierzu bietet www.baupreislexikon.de, das eine klassifizierte Vernetzung der preisbestimmenden Eigenschaften beinhaltet. Zur individuellen Nutzung werden wir in 2013 darüber hinaus das Verketten mit eigenen Preisbestandteilen ermöglichen.

In alter Frische

Ihr Klaus Schiller


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