Baupreise sind ein regionaler Cocktail von Kosten und Markt

Baupreise sind ein regionaler Cocktail von Kosten und Markt
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Baupreise sind ein regionaler Cocktail von Kosten und Markt

04.06.2008

Das Bauen ist gegenüber der Industrie speziell auftrags-, standort- und witterungsabhängig. Es ist immer wieder ähnlich und doch jedes Mal anders. Bauleistungen werden in Projekten gemixt und per Bauaufträge vor Ort serviert. Vom Neubau zum Rückbau über das Bauen im Bestand. Für öffentliche Auftraggeber, Investoren oder private Bauherren. Bodenständig im Kreislauf der Jahreszeiten und dem Wetter ausgesetzt. Die Baustelle als "Feldfabrik" ist die Produktionsstätte. Dabei wechseln nicht nur die Arbeitswege und die Lieferanten. Auch die Baustellenbedingungen und zumal die optionale Ausschreibung der BE als Teilleistung. So kann die Baustelleneinrichtung (BE) einen gesonderten Baupreis haben. Ansonsten werden die BE als Gemeinkosten auf die Baupreise des LV umgelegt. Das Schwingen dieser Baupreise ist vorprogrammiert.

Die vereinbarten Baupreise gelten für eine reale Baustelle, katastergenau oft mit PLZ. Ausgewählt aus Angeboten des Wettbewerbes. Umrahmt von der Ausschreibung, den lokalen Kosten und dem spekulativen Umfeld der regionalen Wirtschaftslage. Und die Marktpreise streuen. Teilweise heftig. Ob kalkuliert oder gewettet? Preisspiegel über die Bieter zu einem LV präsentieren dies immer wieder aufs Neue.

Welcher Baupreis ist dann der Marktpreis? Der Vergabepreis als niedrigster Idealwert - vielleicht ein versteckter Spekulationspreis oder Kalkulationsirrtum? Sonst der zweitbeste Bieterpreis, wie aus der Vergabepraxis anderer Länder? Anderenfalls der Mittelwert oder die gesamte Spannweite?

Die Palette der Angebotspreise ist ein Spiegel des Marktes. Und die Wahrscheinlichkeit den Auftrag zu bekommen wächst, indem man sich vom Durchschnitt abhebt. Aber ein solcher ist nur dann etwas wert, wenn man seine Verteilung kennt. Und die Mittelwerte mit ihren Verteilungen sind regional verschieden.

Dies ist schon deshalb logisch, weil die örtlichen Kosten unterschiedlich sind. Besonders die Löhne. Nicht nur die tariflichen und gesetzlichen Mindestlöhne zwischen Ost und West. Auch die außertariflichen Löhne, Lohnzusatzkosten und Lohnnebenkosten zwischen den Bundesländern oder zwischen Stadt und Land. Bei den Gewerken freilich und ebenso in Beziehung zu besonderen "Speckgürteln" oder dem Gegenteil davon. Allein die legalen Löhne innerhalb Deutschlands können bis zu 100 % schwanken. Die Bandbreiten beim Einkauf von Baustoffen vervollständigen noch die diffuse Wirklichkeit.

Will man die Orientierung bei den Baupreisen verbessern, muss man Cluster bilden. Eine regionale Gruppierung nach Ländern, Kreisen und Städte verfeinert die Spannbreite des Baumarktes. Das ist offensichtlich. Verteilungen von Arbeitslosigkeit und Kaufkraft zeigen das. Wohnungs- und Gewerbemieten offenbaren sogar PLZ-genau die regionalen Höhen und Tiefen des Marktes. Nicht als Spekulation, sondern als präzisen Fakt.

Die Baupreise schwingen nicht nur regional, sondern auch saisonal über das Jahr und sind konjunkturell abhängig. Eine klare Messlatte für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist konkret der Auftragsvorlauf. Bei einem mittleren Auftragsvorlauf von 6 Monaten sind höhere Baupreise zu erwarten als z.B. bei 2 Wochen.

Kosten und Wettbewerb verändern dauernd die regionalen Baupreise. Sei es im Monats- oder Jahreszyklus. Die Baupreise sind ein lokales Puzzle. Und die Mosaiksteine hierzu im ständigen Wandel. Dynamisch zusammengesetzt ergeben sie ein wahrscheinliches Bild. Praktisch nenne ich das "Baupreisatlas". Eine Baupreisinformation mit Überblick und sachbezogener Begründung. Wie ein GPS zur Routenfindung. Im Kontext von Kosten und Markt in Raum und Zeit.

Ab 11. Juni 2008 starten wir mit www.baupreislexikon.de den Generationswechsel. Meine Versprechungen vom Januar werden Wirklichkeit. Ein Atlas von Baupreisen mit seinen Bestandteilen. Kartographisch gegliedert als elektronisches Nachschlagewerk. Komponiert aus zahllosen Kosten- und Marktinformationen. Mindestens 12-mal im Jahr aktualisiert. Und dies ist erst der Anfang. Gewaltiges wird folgen. Seien Sie gespannt.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


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