Wettbewerb und Arbeitsmarkt wirken auf Arbeitskosten und Baupreise

Wettbewerb und Arbeitsmarkt wirken auf Arbeitskosten und Baupreise
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Wettbewerb und Arbeitsmarkt wirken auf Arbeitskosten und Baupreise

03.05.2011

Zum 1. Mai 2011 verändert sich die Wettbewerbslage. Am Tag der Arbeit öffnet sich der deutsche Arbeitsmarkt nach Osten. Bedingt durch den EU-Beitritt der Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn am 1. Mai 2004. Diese EU-Osterweiterung wurde mit Übergangsfristen zur Freizügigkeit der Arbeitnehmer sowie der Dienstleistungsfreiheit in Kraft gesetzt.

Denn in Europa streuen die industriellen Arbeitskosten, also Bruttolöhne + Sozialkosten sehr stark. Von etwas mehr als 2 €/h in Bulgarien bis über 40 €/h in Norwegen. Allein zwischen den EU-Ländern Belgien und Lettland liegt immer noch ein Gefälle von ca. 700 %. Der Fakt der wirtschaftlichen Unterschiede wurde durch den Faktor Zeit geregelt. Man einigte sich politisch, indem die Beteiligten selbst ihren Zeitraum des Übergangs wählen konnten.

Grundlage war ein "2 + 3 + 2" Modell. In der Summe 7 Jahre. Deutschland und Österreich wählten die "biblische 7". Fluch oder Segen? DER SPIEGEL titulierte dies in seiner Nr. 17 mit "Schröders Sieg, Schröders Fehler". Oder nach einem alten Spruch der Sonnenuhr, "denn jeder sieht aus einem Kreise - stets alles nur auf seine Weise." Es war die Angst vor Lohndrückern. Nicht die Hoffnung auf sehr gut ausgebildete, mobile und hoch motivierte Fachkräfte. Die Besten davon sind bereits in die Länder gezogen, die nach 2 oder 5 Jahren ihre Tore öffneten. Es werden wohl weniger kommen als gedacht. Zwei Millionen Polen sind schon in Westeuropa angekommen.

Wettbewerb und Arbeitsmarkt sind variationsreich. Zuwanderungen in einem Land bedeuten Abwanderungen in einem anderen Land. Fachkräftemangel schadet jeder Wirtschaft. Der Wettbewerb um Qualität und Spitzenkräfte ist die eine Seite. Aber solche Könner braucht man nicht für einfache Arbeiten. Dort beginnt der Wettstreit um das billigste Angebot. In der Mischung liegt die "geheimnisvolle" Lösung.

Die neue Wettbewerbssituation wird in der deutschen Bauwirtschaft Wirkungen zeigen. Nicht kurzfristig. Das wird sicherlich überschätzt. Aber langfristig sind strukturelle Folgen nicht zu unterschätzen. Die bauwirtschaftlichen Herausforderungen haben zwei Richtungen:

  • Freizügigkeit für Arbeitnehmer
  • Dienstleistungsfreiheit für Unternehmen
Praktisch heißt das: Bauarbeiter haben einen unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und Kontingente für Werkverträge müssen nicht mehr beantragt werden.

Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer ist an verbindliche Arbeitsbedingungen gebunden. Für die Bauwirtschaft gilt: gesetzlicher Mindestlohn einschließlich der zu zahlenden Sozialkosten.

Hinsichtlich Arbeitskosten und Baupreise ist ein Preisdruck nach unten möglich, da wohl für höhere Qualifikationen nur die LG 1 für einfache Bauarbeiten gezahlt wird. Ab 1. Juli 2011 erhöhen sich diese Mindestlöhne auf 9,75 €/h in Ostdeutschland sowie auf 11,00 €/h in Westdeutschland und Berlin. Dem stehen die individuellen Kosten für auswärtige Beschäftigung gegenüber, die Wanderungsbewegungen dämpfen könnten.

Die Dienstleistungsfreiheit ist an das auftrags- und standortabhängige Bauen gebunden. Vor allem NU-Leistungen ohne Eintragungspflicht in die Handwerksrolle, z.B. Fliesenlegerfirmen, kommen dafür infrage. Aber auch für diese gelten die Mindestlöhne, wenn sie auf dem hiesigen Markt Bauleistungen ausführen. Stärker werden jene Kontrollorgane gefordert, die der illegalen Beschäftigung und Schwarzarbeit nachgehen. Diese "Grauzone" hat ein Wachstumspotential, weil sich Löhne trickreich hochrechnen lassen. Der Wettbewerb auf dem Baumarkt würde zum Nachteil ansässiger Bauunternehmen verzerrt.

Vorbeugend werden immer aussagefähigere Kalkulationen gefragt. Qualifizierte Prüfungen und Wertungen der Angebote können vor der Vergabe aufklären. Beispielsweise auch über die EFB-Angaben, Präqualifikationen und anderer Instrumentarien.

Zum Wettbewerb gehören neben den Arbeitskosten auch Produktivität und Termintreue sowie das innovative und nachhaltige Bauen. Und zum Billigangebot spricht die Sonnenuhr: "Wie sich so vieles in der Welt - ganz anders als der Schein verhält."

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (0)

Kommentar abgeben:
Name
Überschrift
Kommentar
Bitte geben Sie die Zeichen ein, die rechts im Bild angezeigt werden:
www.bauprofessor.de - Die neue Suchmaschine für Baufachinformationen Home | Kontakt | Impressum