Besinnung zum Jahreswechsel – Hoffen auf den bauwirtschaftlichen Wertewandel

Besinnung zum Jahreswechsel – Hoffen auf den bauwirtschaftlichen Wertewandel
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Besinnung zum Jahreswechsel – Hoffen auf den bauwirtschaftlichen Wertewandel

02.01.2007

Ein aufregendes und gutes Jahr ist für die deutsche Bauwirtschaft zu Ende gegangen. Das Bauen in 2006 startete träge. Das I. Quartal wurde von Frost und Schnee beherrscht. Flachdächer sind eingestürzt. Ein langer zudem harter Winter frustrierte den Bau. Viele Unternehmer sehnten mit Blick auf ihr Bankkonto den Lenz herbei.

Dann entfaltete sich im II. Quartal mehr als ein Frühlingserwachen. Vorhergesagt und scheinbar überraschend kamen scharenweise die Baunachfragen. Und im Schatten des "Fußball-Sommermärchens" gewann die Baukonjunktur an Fahrt.

Der Juli war so heiß, dass die IG Bau sogar Hitzefrei für den Bau forderte. Da kühlte es sich mitten im III. Quartal wieder ab und der Augustregen spülte den Hitzespuk weg. Und der September war so sonnig, dass es hätte nicht besser sein können. Auf einmal wurde dem Herdentier Mensch klar - der Bau brummt.

Und wenn es einmal läuft, dann läuft es. Selbst der Winter wartete bis Weihnachten. Die prima Auftragslage und das milde Wetter bescherte uns ein prächtiges IV. Quartal.

Freude ja, aber dennoch: Die strukturellen Probleme hat der Bauboom 2006 nicht gelöst. Die Grundlage unserer Bauwirtschaft ist der Wettbewerb. Und dieser wird analog zum Spiel im Kopf entschieden. Deshalb ist Wirtschaft vor allem auch Psychologie. Für mich stellt sich dabei die Frage: "Welcher Zeitgeist prägt den Wettbewerb?" Derzeit erleben wir vor allem den Preiswettbewerb. Ausdruck dafür sind solche Sprüche wie "Geiz ist geil" oder "Saubillig und noch viel mehr", auch die Versteigerung von Bauaufträgen geht in diese Richtung.

Ich glaube, dies ist eine mentale Aufgabe. Denn: Bauleistungen sind in der Einheit von Qualität - Preise - Fristen zu beurteilen. Bauwerke sind keine kurzlebigen Wirtschaftsgüter. Letztendlich ist Nachhaltiges Bauen wirtschaftlicher. Den einmaligen Baukosten sind die laufenden Aufwendungen entgegenzustellen. Ästhetik, Sicherheit und gesundes Bauen sind wichtiger als "Geiz" und "Saubillig". Vom Pfusch am Bau ganz zu schweigen. Billiges Bauen ist oft Verschwendung: "Baue auf und reiße nieder, dann hast du Arbeit immer wieder". Mit den alleinigen Preiskämpfen der letzten Jahre entstanden deshalb viele Probleme.

Deshalb wünsche ich der deutschen Bauwirtschaft zunehmend einen Qualitätswettbewerb.

Die Qualität beginnt mit der Unternehmenskultur und seinen geschulten Fachkräften. In der VOB/A 2006 §8 wurde mit der Präqualifikation eine Art freiwilliges Gütesiegel für die Eignung der Bieter bei der öffentlichen Bauvergabe eingeführt. Die für ein Jahr vorgeprüften, fachmännisch befähigten Unternehmen werden im Internet veröffentlicht. Dies ist ein erster Schritt. Denn für die Bauherren fällt mit der Firmenwahl auch die Entscheidung über Freud oder Leid am Bau.

Die Qualität wird durch Planung und Ausführung bestimmt und ist speziell durch die Beschreibung der Bauleistung definiert. Baupreise beziehen sich auf die objektkonkreten Eigenschaften der Bauleistung. Es kommt auf das Preis-Leistungsverhältnis an. Und dies ist wieder eine geistige Frage der Wertschätzung, wie Wilhelm Busch sagte:

"Mit scharfem Blick, nach Kennerweise,
schau ich zunächst mal nach dem Preise.
Doch bei genauerer Betrachtung,
steigt mit dem Preise auch die Achtung."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das Jahr 2007 unfallfreie Baustellen, redliche Partnerschaften sowie gute Projekte und die richtigen Bauaufträge zugleich persönlich Gesundheit und Glück.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller

Weiterführende Fachinformationen:
Bauleistung, Baumarkt, Präqualifikation, Wettbewerb

Kommentare (1)

Prof. Krichenbauer: Ein guter Spruch:
09.01.2007 17:49 Uhr

"Mit scharfem Blick, nach Kennerweise,
schau ich zunächst mal nach dem Preise.
Doch bei genauerer Betrachtung,
steigt mit dem Preise auch die Achtung."

Bei den Schwaben kursiert auch der Spruch:
"Was nix koscht taugt au nix."

Aber viele Planer und Generalunternehmer haben dies noch erkannt. Bei den ersteren sind viele nicht im Stande, eine vernünftige Kostenberechnung zu machen (oder wollen auch nicht), bei den letzteren werden aus Auftragsgier schlechte Preise gemacht die dann weiter gereicht werden. Ich denke das Baupreislexikon kann dabei helfen, der Preisrealität etwas näher zu kommen!

Mit besten Grüssen aus BC

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