Zuschlagskalkulation über Einzelkosten der Teilleistungen und Herstellkosten

Zuschlagskalkulation über Einzelkosten der Teilleistungen und Herstellkosten
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Zuschlagskalkulation über Einzelkosten der Teilleistungen und Herstellkosten

30.03.2012

Das „heilige Prinzip“ der Kostenrechnung ist das Verursachungsprinzip. Dies gilt auch bei der Ermittlung der Kosten für die Leistungen eines Bauauftrages. Eine Baukalkulation, sprich Bauauftragsrechnung, beruht auf den Kostenebenen im Unternehmen. Es werden Kosten verursacht durch:

  • die Ausführung konkreter Teilleistungen,
  • die Baustelle mit der Baustelleneinrichtung (BE) und ihren Besonderheiten,
  • die allgemeine Leitung und Verwaltung des Unternehmens.

  1. Ausführungsebene:
    direkte Zuordnung der Einzelkosten der Teilleistungen (EKT)

  2. Baustellenebene:
    direkte LV-Position (BE) bzw. Umlage Baustellengemeinkosten (BGK)

  3. Unternehmensebene:
    Umlage von allgemeinen Geschäftskosten (AGK)

Vom Konkreten über das Besondere zum Allgemeinen. Insgesamt abgerundet durch das kalkulatorische Risiko in Form von Wagnis (W) und dem Gewinn (G) als Wertschöpfung. Bauleistungen werden auf der Baustelle hergestellt. Die Herstellkosten (HK) sind die logische Summe von EKT + BGK und dienen der Verrechnung von AGK + W&G.

Das Konkrete am Bauauftrag sind die auszuführenden Leistungen. Als manuelle - sprich handwerkliche - oder maschinelle Bauarbeiten aktivieren sie unmittelbar Löhne, Stoffe, Geräte und Sonstige Kosten. Diese direkten Kosten sind die Einzelkosten der Teilleistungen.

Das Besondere am Bauauftrag sind die Baustellenbedingungen. Standort, Witterung und die Transportverhältnisse bedingen mittelbare Kosten. Das Vorhalten von Bereitstellungsgeräten und aufsichtsführendem Personal ist abhängig von Bauumfang und Bauzeit. Vom Wesen her sind es Herstellkosten und werden in den EKT bzw. BGK kalkuliert. Die VOB lässt beides zu. Zunehmend werden Einrichten, Vorhalten und Räumen der Baustelleneinrichtung als eigene Teilleistungen ausgeschrieben. Dann sind es EKT und keine Umlage von BGK. In den EKT können über den Mittellohn auch Gehaltskosten z.B. für Polier enthalten sein. Werden die baustellenbezogenen Sachverhalte nicht im Leistungsverzeichnis extra kalkuliert, so sind diese Kosten auf die auszuführenden LV-Positionen umzulegen. Dies erfolgt entweder

  • pauschal über die Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen oder
  • auftragsindividuell mit konkreten Kosten der Baustelle über die Endsummenkalkulation.

Das Allgemeine am Bauauftrag sind die Verwaltungsgemeinkosten. Eine gemeinsam von allen Bauaufträgen zu tragende Kostenlast. Über die Abrechnung aller Bauaufträge sind sie zu decken. Einzuspielen über die Baupreise von den ausgeführten Teilleistungen aller Baustellen. Diese AGK plus W&G bilden die so genannte „HK-Differenz“.

Die Kalkulation der Baupreise wird über Zuschlagssätze (%) auf die einzelnen Kostenarten der Teilleistungen vollzogen. Zuschläge auf Stoffe, Geräte und Sonstige Kosten sowie auf den Kalkulationslohn. Daraus ergibt sich der für die Ermittlung von Baupreisen so wichtige Verrechnungslohn.

Im Verrechnungslohn unterscheiden sich rechnerisch die beiden Kalkulationsverfahren. Und das Zünglein an der Waage sind die Spezifika der Baustelle. Sind diese von Bauauftrag zu Bauauftrag ähnlich, kann man mit vorbestimmten Zuschlägen kalkulieren. Zu beachten ist, ob die BE extra ausgeschrieben sind. Auftragsbezogen ist der BE-Anteil dann zu mindern. Im Kalkulationsprogramm wie z.B. nextbau werden daraufhin die vorbestimmten Zuschläge automatisch angepasst. Die Zuschlagskalkulation erfolgt direkt über die EKT.

Bei außerordentlichen Kosten der Baustelle ist die Ermittlung der Herstellkosten zwingend. Im Besonderen, wenn diese nicht ausgeschrieben sind. Zum Beispiel bei sehr aufwendigen Transportkosten. Diese Extrakosten sind als BE-Umlagen zu erfassen. Diese gedanklichen Positionen sind auf die LV-Positionen mit der Endsummenkalkulation umzulegen. Über die Herstellkosten und die Zuschläge auf HK wird eine Gesamtumlage als Differenz zwischen Endsumme und EKT berechnet. Diese wird auf die einzelnen Kostenarten verteilt, wobei der Rest auf Lohn verrechnet wird. Die Folge ist ein variabler Verrechnungslohn zur Ermittlung der Baupreise. Die Zuschlagskalkulation erfolgt indirekt über die Herstellkosten.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


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