Baustellencontrolling und Nachträge - wer beherrscht wen?

Baustellencontrolling und Nachträge - wer beherrscht wen?
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Baustellencontrolling und Nachträge - wer beherrscht wen?

03.03.2008

Das Baustellencontrolling ist eine sensible Schnittstelle zwischen den am Bau Beteiligten. Bauherren und Baufirmen steuern immer ihre Kosten und wirken interaktiv über Nachträge.

Die Baubetriebswirtschaftliche Tagung 2008 des ZDB am 11.3.2008 in Kassel formuliert dies sehr trefflich: „Vom kalkulierten Bausoll bis zum Nachtragsmanagement“.

Der Jahresanfang brachte wieder viele Kurse zum Nachtragsmanagement. Vornehm auch als Claim-Management bezeichnet. Die „claims“ werden abgesteckt. Im kaufmännischen Deutsch sind das Nachforderungen. Und beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Die Ratschläge sind stets die Gleichen:

Verschenkt kein Geld und wehrt Euch gegen unberechtigte Kosten.
Verschafft Euch Klarheit über den Leistungsumfang.
Beachtet die formal-juristische Basis beim Geltendmachen / Zurückweisen von Vergütungen.

Technische, kaufmännische und rechtliche Argumente treffen aufeinander. Wissen wird zur Macht. Dies gilt für Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen. Verdient wird dort, wo zielführend und vertragssicher gehandelt wird.

Die Beurteilung von Baunachträgen entscheidet in der Praxis oft über den Erfolg. Sachlich und preislich sind sie zu prüfen. Formal und inhaltlich: Dem Grunde nach - der Höhe nach! Rationell lassen sich vier Qualitätsstufen unterscheiden.

Nachträge werden

  1. auf der Basis von Vertrauen anstandslos bezahlt
  2. ausschließlich sachlich geprüft
  3. sachlich und preislich unabhängig voneinander gewertet
  4. sachlich und preislich in einer Ausgleichsrechnung verkettet.

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Am besten im vernetzten Zusammenhang. Dies gilt zumindest für das Prüfen und Werten.

Die Preisprüfung sollte im Bezug zum Preisniveau des Hauptangebotes erfolgen. Oder sinnigerweise: Gute Preise bleiben gute Preise - schlechte Preise bleiben schlechte Preise!

Qualitativ würde ich vier Bewertungsniveaus auffächern.

Preisprüfung über

  1. Vergleich mit Orientierungs- und Erfahrungspreisen
  2. Vergleich mit EFB-Preis 1 und EFB-Preis 2
  3. Vergleich mit der „Urkalkulation“ und EFB-Preis
  4. Vergleichskalkulation mit Dynamischen BauDaten a.B. von Einzelkosten nach STLB-Bau, EFB-Preis und Urkalkulation

Geistige Anbindungen bieten die VOB/B und das Vergabehandbuch samt dem Leitfaden für die Vergütung von Nachträgen. In der bunten Mischung von Minder- und Mehrmengen, Leistungsänderungen, Wegfall oder zusätzlicher Leistungen braucht man den Durchblick. Im Interesse beider Vertragspartner sind Nachträge mit Verstand und Vernunft zu gestalten. Hierfür bedarf es eines kalkulatorischen Verständnisses. Als praktische Werkzeuge empfehle ich dabei x:nachtrag zum Prüfen und Werten sowie x:bau zur Nachtragskalkulation.

Das Nachtragsmanagement beginnt mit der Vergabe. Und endet per Schlussrechnung. In meinem nächsten Blog möchte ich hierzu eine lösungsorientierte Brücke bauen. Mit dem Leitspruch: „Überschlägige Ausgleichsberechnung und EFB-Preisspiegel“ will ich zu einem kalkulatorischen Denken der besonderen Art anregen.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


Kommentare (1)

H. Wissenbach: Vertrauen-Erfahrung-Pessimismus
13.03.2008 11:27 Uhr

Guter Beitrag, gute Ansätze, allerdings eine Anmerkung: das Nachtragsmanagement beginnt für mich schon bei der Ausschreibung ... leider beginnt es in der Realität -- oh wie böse das zu sagen -- in den Rechtsabteilungen der großen Baufirmen, wo schon das Potential eruiert wird, bevor das Ganze zum Baupreiskalkulator kommt. Dort werden Nachträge schon verbereitet und das Eisen geschmiedet solange es noch heiss ist. Und auch hier ist Wissen nicht nur Macht, sondern vor allem Geld. Wenn der Anbieter mehr weiss als der Ausschreibende kann er über Einheitspreise schon vor Abgabe des Angebots sowohl die Vergabewahrscheinlichkeit als auch das Nachtragspotential bewusst steuern. Schon oft genug vorgekommen ... wehret den Anfängen und schaut auf die Leistungsbeschreibungen, Massenermittlungen und macht einen -- im US Sprachgebrauch so genannt -- "Sanity-Check". Der AG braucht in jedem Fall viel eigene Erfahrung, um Angebote wirklich und auch im Hinblick auf Nachträge bewerten zu können.

In diesem Sinne, Vertrauen ist das Ideal, Erfahrung und gesunder Pessimismus, die Fähigkeit ein "Worst-Case-Szenario" vorauszuahnen sicherlich sicherer ...

Viele Grüße aus Ramstein
H. Wissenbach - Architekt

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