Der Wein reift im Fass und Baupreise reifen im LV (Leistungsverzeichnis)

Der Wein reift im Fass und Baupreise reifen im LV (Leistungsverzeichnis)
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Der Wein reift im Fass und Baupreise reifen im LV (Leistungsverzeichnis)

01.12.2010

Der Traubensaft gärt und als Wein kommt er im Fass zur Reife. Eine Metamorphose von Tausenden organischen Molekülen. In deren variationsreichen Verkettung entfalten sich die vielfältigen Aromen. Abhängig von der Umgebung. Und dadurch schmeckt ein aus dem Urlaub mitgebrachter Wein zu Hause anders. Geschmack entsteht im Kopf.

Baupreise werden auch im Kopf gemacht. Es sind "kaufmännische Moleküle". Verbindungen von "ökonomischen Atomen". Verkettete Mengen- und Wertgerüste inklusive detaillierter Umlagen. Strukturiert nach Kostenarten. Verursacht vom Bauauftrag und seinem Umfeld. In der Zeichnung gärt der Bauwille und die Baupreise kommen im LV zur Reife. Im Einklang mit der Beschreibung der Leistung. Der kaufmännische Feinschmecker erkennt das Preisaroma. Soll eine bestimmte Deckung oder Endsumme erreicht werden, dann ändern die direkten Kosten jeder Einzelposition die Einheitspreise der übrigen Positionen. Eine Metamorphose von Tausenden "kaufmännischen Molekülen". Fundamental berechenbar.

Bei der Kalkulation mit fixen Baupreisen ist es wie beim Trinken von Billigwein. Man kommt schnell in Fahrt und Kopfschmerzen sind nicht ausgeschlossen. Die Feinheiten der Aufträge werden gar nicht wahrgenommen. Und dabei kann man Geld oder den Auftrag verlieren. Oft unbewusst. In Treu und Glauben, dass gleiche Leistungen auch gleiche Baupreise bedingen.

Die Kalkulation mit Vorbestimmten Zuschlägen ist gewiss ein Qualitätswein. Sortenrein und auftragstypisch wirken die direkten Kostenarten auf die Zuschlagsbasis der Einzelkosten von Teilleistungen. Abhängig von Standort und Objekt können die Materialpreise frei Baustelle stark abweichen. Transportwege, Lieferanten und Einkaufsmengen haben einen Einfluss. Klar unterscheiden sich Baupreise für einen m² Bodenplatte, wenn der Transportbeton einmal 40 €/m³ oder 80 €/m³ kostet. Gleiches gilt für Produktivitäten. Doch auch die Art der Leistungsbeschreibung bestimmt die Baupreise. Die Nebenleistungen sind das Zünglein an der Waage. Was steht in den Vorbemerkungen zum LV? Ist die Baustelleneinrichtung extra ausgeschrieben? Im Verbund der LV-Positionen sollen die Baupreise die Kosten decken. Unabhängig davon, wo und wodurch sie verursacht werden.

Aber Vorbestimmte Zuschläge können nicht alles voraussehen. Sie sind nicht endbestimmt. Die damit kalkulierten Baupreise noch nicht ausgereift. Sie können sogar trügerisch sein. Die Vorbestimmung der Zuschläge beruht auf mittleren Annahmen. Weichen die EKT-Anteile im Auftrag vom betrieblichen Durchschnitt ab oder erfordert der Auftrag einen konkreten Deckungsbeitrag (DB) für BGK, AGK + W&G, so ist nach dem Fundamentalsatz der Kalkulation mit dynamischen Zuschlägen zu kalkulieren. DB = Summe von EKT-Anteilei * EKT-Zuschlägei

Diese dynamische Kalkulation über die Angebotsendsumme (AES) ist ein Prädikatswein. Sie kann auch direkt über Deckungsbeiträge erfolgen: DB + EKT = AES. Vom Ziel her werden die Baupreise ermittelt. Nicht Vorbestimmte Zuschläge prägen die Baupreise, sondern die konkreten EKT und DB-Vorgaben für die Baustelle. Und die EKT sind auftragsindividuell. Gebunden an Mengen und Qualitäten der LV-Positionen. Deshalb entfalten sich die Baupreise in der mannigfaltigen Bestimmung der Leistung. Rechnerisch ändern sich mit jeder neuen Leistungsposition die Baupreise der anderen Positionen. Weil sich die Zuschläge den tatsächlichen EKT und DB anpassen. Die greifbaren Kosten samt Gewinn des Auftrages bestimmen die relativen Zuschläge für die Baupreiskalkulation. Deshalb reifen die Baupreise im LV. Durch praktisches Berechnen im Kalkulationsprogramm ist dies eine reine Routine. Vorausgesetzt man kennt die Zusammenhänge.

Alles hat seine Qualität. Auch beim Wein und Kalkulieren. Und mit der Qualität steigt der Genuss. Vom sinnlichen Genießen des Weines bis zur geistigen Nutznießung aus der Kalkulation. Kaufmännischer Nutzen entsteht durch dynamisches Kalkulieren. Die Zeit ist reif. Und praktische Anwendungen von der Skizze bis zum Nachtrag müssen nicht teuer sein. Wie beim Wein.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


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